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 Jan-Cord a.k.a. Tyler Durden
19. Juni 1981 - 28. Juli 2006
Diese Seite ist unserem Sohn & Bruder gewidmet, der am 28. Juli 2006 im Alter von 25 Jahren freiwillig aus dem Leben schied.


 

„… aber das Leben geht weiter …“

Tut es das wirklich oder vergeht nur ein Tag nach dem anderen?
24 Stunden sind eine lange Zeit.
Was tun, um sie so gut wie möglich zu überstehen und das 364 Tage im Jahr.

Du wachst auf und der erste Gedanke gilt deinem Kind.
Gut, wenn dann die Arbeit beginnt.
Viel Arbeit viel Ablenkung. du darfst einfach keine Zeit zum Denken haben.
Die erste entspannte Minute und schon denkst du wieder.
Mittagspause, eine halbe Stunde frei. Frei von Arbeit aber nicht frei vom Denken.
durcharbeiten? Raus in die Stadt, entweder essen oder einen kleinen Spaziergang machen.
Egal, die Gedanken kommen wieder hoch. du siehst nicht nur zerknirschte Gesichter,
sondern auch lachende Menschen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Du siehst Jugendliche, junge Männer gekleidet wie dein Kind und du wirst erinnert.

Dir kommt jemand entgegen, den du kennst aber lange nicht gesehen hast. du machst einen Bogen um ihn,
wechselst die Straßenseite. Hast Angst davor, dass er dich anspricht, fragt wie’s dir geht.
Mit „Danke gut“ magst du nicht antworten, wohl wissend, dass es gelogen ist.
Aber willst du ihm erzählen wie’s wirklich in dir aussieht, wie du dich wirklich fühlst.
Du bist schon froh, dass du es wieder geschafft hast überhaupt durch die Stadt zu gehen und dann das.
Schlimm wird’s besonders dann, wenn du im Verlaufe des Gespräches vielleicht den Satz „Das Leben geht weiter“ hörst.

Nach der Arbeit nach Hause, nimmst dir den Hund und gehst mit ihm spazieren.
Er freut sich und wenn du’s richtig anfängst, dich mit ihm beschäftigst, fehlt dir die Zeit zum Nachdenken. Und dann?
Dann bist du wieder zu Hause. Isst und redest mit deinem Partner. Selbst dann, wenn du es möchtest,
versuchst du das Gespräch nicht in die Richtung deiner Gedanken abgleiten zu lassen.
Warum den anderen damit belasten was du denkst.
Möchtest eigentlich darüber sprechen, wie es dir am Tag gegangen ist. Hast aber Angst den Anderen herunterzuziehen.
Nein, du führst keine banalen Gespräche aber du versuchst zu lenken, abzulenken.

Nur vor der Glotze sitzen und sich die täglichen Dummheiten reinzuziehen hilft dir schon lange nicht mehr.
Schlechte Witze, kluge Sprüche in Gesprächsrunden von denen, die meinen sie wüssten alles besser aber in der Praxis selbst versagen.
Irgendwann verziehst du dich in dein Zimmer, setzt dich vor den Computer.
Siehst dir deine Webseite an, suchst vielleicht noch Texte und Bilder zusammen.
Wenn du das tust, dann denkst du aber anders. Die Beschäftigung damit hilft dir.
Vielleicht surfst du durchs Web, suchst nach Informationen.
Siehst dir Webseiten an, die deiner inhaltlich gleich sind und merkst, dass du mit deinem Schicksal nicht allein da stehst.
Und dann?
Dann beginnst du wieder zu denken. Denkst, warum es so viele trifft.
Liest von Schicksalen, von der Trauer um den Sohn, die Tochter.
Glaubst du, du findest Trost wenn du siehst, dass es anderen wie dir geht.
Dann aber spürst du die Belastung. Spürst, dass es dich doch mehr belastet und fliehst.

Irgendwann bist du hundemüde.
Kannst die Augen kaum noch aufhalten und hast doch Angst zu wach zu sein, um ins Bett zu gehen.
Hast angst davor im Bett zu liegen und nicht einschlafen zu können. Hast angst vor der Stille, angst davor wieder zu denken.
Und du denkst.
Dann zwingst du dich an etwas anderes zu denken und dir fällt ein, dass du früher als letztes gebetet hast,
„Lieber Gott beschütze meine zwei Söhne und meine Frau. Schenke ihnen Gesundheit und ein langes Leben in Frieden….“
Dann fragst du dich, warum du es jemals getan hast?
Bist du zu spät ins Bett gegangen und Gott schlief bereits, so dass er dich nicht mehr hören konnte.
Oder war es vielleicht so, wie dein Sohn es in seinem Tagebuch beschrieben hat:
„Manchmal fühl ich mich echt vergessen. Vergessen von Gott.
Ich weiß zwar, dass es nicht so ist. Denn Gott vergisst dich nie.
Vielleicht muss er sich nur gerade um wichtigere Sachen kümmern und es gibt Milliarden Sachen die wichtiger sind als ich es bin.“

Dann geht dir der Tag durch den Kopf.
Erinnerst dich an das was auf Arbeit war, was du in der Zeitung gelesen und ihm Fernsehen gesehen hast.
Beginnst darüber nachzudenken. Regst dich auf und gleitest langsam wieder zu den Gedanken um dein Kind.
Dann versuchst du dich mit Belanglosem abzulenken.
Stellst dir irgendwas vor, versuchst dir einen Traum in Erinnerung zu rufen und hoffst in ihm zu versinken, einzuschlafen.

Das Leben geht weiter.
Denn schon am kommenden Morgen gilt dein erster Gedanke deinem Kind.
Tag für Tag wirst du dich erinnern.

„Das Leben geht weiter…“
Du würdest diesen Satz keinem sagen, dem das widerfahren ist was du erleben musstest.
Das Leben geht weiter. 24 Stunden am Tag, 364 Tage im Jahr bis dann irgendwann der Tag kommt, an dem du endlich wieder mit deinem Kind zusammen bist.

 
 

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